Zweite Schweizer Teilnahme an der Deutschsprachigen Philosophie-Olympiade
Vom 22. bis 25. März fand in Salzburg der Bundeswettbewerb der Österreichischen Philosophie-Olympiade statt, zu dem auch Gastdelegationen aus der Schweiz und Südtirol eingeladen werden. Dank einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne war die Schweiz auch dieses Jahr mit zwei Teilnehmenden am Start:
Lina Studer (ganz rechts) und Diego Käsermann (zweiter von rechts) begleitet von den Studierenden Kal Niederhäuser (ETH Zürich) und Filipa Lüthy (Universität Basel), beide Freiwillige der Schweizer Philosophie-Olympiade. (Quelle: Schweizer Philosophie-Olympiade)
Lina Studer mit Vertreter*innen des Vereins Philolympics, der hinter der Österreichischen Philosophie-Olympiade steht. (Quelle: Philolympics)
Diego Käsermann mit Vertreter*innen des Vereins Philolympics, der hinter der Österreichischen Philosophie-Olympiade steht. (Quelle: Philolympics)
Gruppenbild vor der Heimreise. (Quelle: Philolympics)
Andererseits war dieser Anlass auch die zweite Ausgabe der Deutschsprachigen Philosophie-Olympiade, zusammen mit der Schweiz und Südtirol. In den kommenden Jahren könnte die Deutschsprachige Philosophie-Olympiade zu einem eigenständigen Wettbewerb anwachsen, an dem noch mehr deutschsprachige Länder und Regionen teilnehmen. An der Internationalen Philosophie-Olympiade, die Jugendliche aus über 50 Ländern zusammenbringt, darf der Essay zwar auf Deutsch, Englisch, Französisch oder Spanisch verfasst werden – nicht aber in der Amtssprache des eigenen Landes. Die Deutschsprachige Philosophie-Olympiade könnte dazu eine Ergänzung bieten.
Zugtickets, Übernachtung in Salzburg - möglich machten es 13 grosszügige Spender*innen und der Science Booster des Schweizerischen Nationalfonds. Ein grosser Danke geht an alle, die zur Crowdfunding-Kampagne beigetragen haben und so geholfen haben, die Reise nach Salzburg zu finanzieren.
Vier Stunden, vier Zitate
Am 23. März hatten die Teilnehmenden vier Stunden Zeit, um ein Essay zu einem von vier Zitaten zu verfassen. Nach diesem Prinzip funktionieren auch das Schweizer Finale und die Internationale Philosophie-Olympiade.
Die Essays wurden im Anschluss von den anwesenden Lehrpersonen verschiedener österreichischer Schulen und von den Schweizer Begleitpersonen bewertet.
(Quelle: Philolympics)
Für eine Auszeichnung hat es bei den Schweizer Teilnehmenden nicht gereicht. Doch das Essayschreiben habe ihr - zu ihrem eigenen Erstaunen - recht viel Spass gemacht, so Lina. Es sei keine sehr stressige Erfahrung gewesen. Sie wählte ein Zitat von Rousseau:
“Ich habe nie geglaubt, dass der Mensch frei ist, wenn er tun darf, was er will; er ist es, wenn er nicht tun muss, was er nicht will.”
Diego wählte ein Zitat von Luciano De Crescenzo:
“Es gibt auf der Welt Dinge, die man weiß und Dinge, die man nicht weiß, die man aber dafür glaubt. Erstere sind Teil der Wissenschaft [...], zweitere der Religion [...]. Schließlich gibt es Dinge, die man nicht weiß und nicht glaubt, wie das Sein zum Beispiel, über die man diskutiert und streitet seit den Zeiten von Parmenides und die eben die Philosophie ausmachen.”
“Ich weiss nicht, ob mein Essay so viel Sinn ergeben war, aber es hat mir Freude gemacht", meint Diego. “Vier Stunden sind genug Zeit, sich wirklich Gedanken zu machen.” Sein Fazit: “Es war viel besser, als ich erwartet hatte und komplett fantastisch." Er hatte von Seiten der anderen Teilnehmenden mit einem gewissen Elitedünkel gerechnet, wurde aber positiv überrascht. “Sie waren schon ein bisschen nerdig - das bin ich ja auch - aber sehr bodenständig. Alle waren wahnsinnig intelligent und begabt und es war eine grosse Bereicherung, teilzunehmen.”
(Quelle: Philolympics)
Anarchie und Krise - philosophisch betrachtet
Die Atmosphäre sei sehr positiv gewesen, so Diego. Das Programm enthielt aber nicht nur lockere Themen. Ein öffentlicher Vortrag am letzten Abend behandelte das Thema: “Was nun? Philosophie der Krise". Die Teilnehmenden durften ausserdem an Workshops über feministische und politische Erkenntnistheorie oder Anarchie teilnehmen, geleitet von Philosoph*innen der Universitäten Frankfurt und Wien.
(Quelle: Philolympics)
Es sei aber nicht jeder Programmpunkt nur philosophisch gewesen, so Lina. Es habe auch Gelegenheiten für entspannte Gespräche gegeben, beispielsweise auf der Stadtführung. “Es war alles wunderbar organisiert und strukturiert und ich habe mich während des ganzen Ausflugs sehr wohl gefühlt”, so Diego. Er und Lina sind sich einig, dass sie nächstes Jahr wieder an der Schweizer Philosophie-Olympiade antreten möchten. Diego geht sogar noch weiter: “Ich wollte eigentlich Astronomie als Freifach belegen in der Schule - jetzt habe ich mich entschieden, stattdessen Philosophie zu nehmen. Ich hatte immer schon eine Begeisterung für Philosophie, habe mich aber nicht aktiv damit beschäftigt. Das wird sich jetzt ändern."