18.05.2026

Medienmitteilung

Philosophieren in Polen

Vom 14. bis 17. Mai fand in Warschau die 34. Internationale Philosophie-Olympiade (IPO) für Schülerinnen und Schüler statt. 56 Länder waren vertreten - so viele wie noch nie zuvor. Die Teilnehmenden diskutierten, schrieben Essays, gewannen Medaillen und erkundeten die Stadt. Zwei Schweizerinnen und eine Liechtensteinerin waren dabei:
Die Schweizer Delegation: Hongjia Meng (zweite von links) und Huaxia Lin (dritte von links), begleitet von Filipa Lüthy und Severin Rohrer. (Alle Bilder: Philosophie-Olympiade)
Huaxia Lin.
Huaxia Lin im Austausch mit Teilnehmenden. (Quelle: IPO 2026)
Hongjia Meng.
Lina Sele (ganz links) im Austausch mit Teilnehmenden. (Quelle: IPO 2026)
Zum dritten Mal in Folge war auch Liechtenstein vertreten: Lina Sele, begleitet vom letztjährigen Teilnehmer Patrick Steffens (ganz links) und den Lehrpersonen Laura Cavallaro (rechts) und Raphael Bucheli (links).
Die Liechtensteiner Delegation bei der Eröffnungszeremonie. (Quelle: IPO 2026)
Lina Sele.
Die Schweizer Delegation bei der Eröffnungszeremonie. (Quelle: IPO 2026)
Die Schweizer Jurymitglieder Severin Rohrer und Filipa Lüthy bei der Essaybewertung. Filipa Lüthy hat letztes Jahr an der IPO Slber gewonnen hat und danach das Vizepräsidium der Schweizer Philosophie-Olympiade übernommen. Severin Rohrer gewann 2020 die Schweizer Philosophie-Olympiade und engagiert sich seither aktiv für das Förderangebot.
Die Medaillengewinnerinnen und -gewinner.
  • Hongjia Meng, Kantonale Mittelschule Uri (UR)
  • Huaxia Lin, Kantonsschule Trogen (AR)
  • Lina Sele, Liechtensteinisches Gymnasium (FL)

“Das Schöne an der IPO ist, dass man beim Philosophieren mit Menschen aus aller Welt Spass hat“, findet Lina. Huaxia erzählt, sie sei an der IPO auf ungewöhnliche Leute getroffen, denen sie sonst nie im Leben begegnet wäre. Die über 100 Teilnehmenden nahmen teilweise eine aufwändige Anreise auf sich, um beispielsweise aus Peru, Palästina oder Indien nach Warschau zu gelangen. Dort wartete ein vielseitiges Programm auf sie, mit philosophischen Vorträgen, Ethik-Debatten, Museumsbesuchen oder polnischen Volkstänzen - aber auch mit vielen Freiräumen. Hongjia zeigte sich überrascht über die Flexibilität des Programms. Sie hat bereits an ähnlichen internationalen Wettbewerb in Mathematik oder Informatik teilgenommen, wo die Teilnehmenden weniger Gelegenheit hatten, den Austragungsort auf eigene Faust zu erkunden.

Der Wettbewerb fand am Freitagmorgen statt. Die Teilnehmenden mussten während vier Stunden ein Essay zu einem von vier Zitaten schreiben. Die Wahl fiel Honjia, Huaxia und Lina nicht leicht, denn die Zitate kamen ihnen alle sehr offen und teilweise rätselhaft vor. Hongjia entschied sich schliesslich für Zitat aus der Nikomachischen Ethik von Aristoteles: 

“Der Ursprung der Handlung ist nun die Entscheidung. Sie ist aber der Anfang der Bewegung, nicht ihr Zweck; der Ursprung der Entscheidung sind hingegen das Streben und die dem Zweck geltende Überlegung. Eine Entscheidung kann es daher weder ohne Vernunft und Denken noch auch ohne eine Charakterdisposition geben.”

Huaxia und Lina wählten beide ein Zitat von Iris Murdoch: 

“Wir leben in einer Fantasiewelt, einer Welt der Illusionen. Die grosse Aufgabe im Leben besteht darin, die Wirklichkeit zu finden.”

Bewertet wurden die Essays anonym von einer internationalen Jury. Am Sonntagvormittag wurden die besten Essays ausgezeichnet. Drei Goldmedaillen gingen an Jugendliche aus Bulgarien, Singapur und Mexiko. Eine Auszeichnung für die Schweiz oder Liechtenstein war diesmal nicht dabei. Die Teilnehmerinnen sind jedoch schon gespannt darauf, die preisgekrönten Essays zu lesen, die zusammen mit der Rangliste auf der IPO-Webseite veröffentlicht wurden.

Die Wissenschafts-Olympiade fördert Jugendliche, weckt wissenschaftliche Begabungen und Kreativität und beweist: Wissenschaft ist spannend. Jedes Jahr gibt es 11 Olympiaden und etwa 10’000 Teilnahmen: Workshops, Lager und Prüfungen in Astronomie, Biologie, Chemie, Geographie, Informatik, Linguistik, Mathematik, Philosophie, Physik, Robotik und Wirtschaft.  Die Organisatoren sind junge Forschende, Studierende oder Lehrpersonen, die freiwillig viele Stunden und Herzblut in das nationale Programm investieren. Die besten Teilnehmenden vertreten die Schweiz an internationalen Wettbewerben.

Bilder

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